Erlebnispädagogik erleben und verstehen – Ein Modul für Studierende der Pädagogischen Hochschule Freiburg

Erleben das Wissen schafft

Im Rahmen eines Moduls Freizeitpädagogik mit Schwerpunkt Erlebnispädagogik haben wir uns im Praxisteils Ende Oktober 2021 drei Tage lang auf Schloss Hohenfels beim Bodensee mit etwa 17 Studierenden der Pädagogischen Hochschule Freiburg diesen spannenden Forschungsfragen gewidmet. Dabei wurden viele Erlebnisse herbei gezaubert und neue Erfahrungen gesammelt. Passend für angehende KindheitspädagogInnen wurden die gesamten Praxistage in die Ronja Räubertochter Geschichte eingebettet.

Die spannenden Fragen, die bei diesem Erlebnispädagogik Modul im Mittelpunkt stand, war wie sich die Erlebnispädagogik in den wissenschaftlichen Kontext der Kindheitspädagogik und Freizeitpädagogik einordnet? Welchen Beitrag kann die Erlebnispädagogik zum Kompetenzerwerb für Studierenden der Kindheitspädagogik leisten und wie kann das individuelle, ganzheitliche und handlungsorientiere Lernen der Erlebnispädagogik die Wissensvermitttlung an Hochschulen und Universitäten ergänzen und bereichern?

Ziel des Moduls

Im Rahmen des Lehrauftrags der PH Freiburg war es das Ziel, zum einen den Studierenden eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu ermöglichen, die dann wiederum als Vorbild für ihre eigene Arbeit dienen können, um selbstständig erlebnispädagogische Elemente planen und durchführen zu können. Zum andern stand die wissenschaftliche Einbettung und Kontextualisierung der Feldes der Erlebnispädagogik im Mittelpunkt. Gar nicht so leicht eine ganzheitliche Bildungskunst wie die Erlebnispädagogik wissenschaftlich und objektiv greifbar zu machen!

Dafür wurden verschiedene Modelle und theoretische Betrachtungen aus der Fachliteratur hinzugezogen und dann wiederum erlebar gemacht, wie z.B. das Lernzonenmodell, die Erlebniskette sowie Spieledidaktik und eigenständige Programmplanung (mehr dazu siehe unten).

Die Stärke des erlebnis- und erfahrungsorientierten Lernens ist es, dass nicht konkrete Handlungsanweisungen oder starres Wissen vermittelt oder vorgeschrieben wird, sondern Menschen in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen unterstützt werden. Es geht also viel mehr darum einen Leitfaden mit wichtigen Prinzipien zu vermitteln und die Umsetzungswege können dann ganz unterschiedlich, individuell und vielseitig sein. In einer Haltung des Vertrauens, dass die fast fertig ausgebildeten PädagogInnen am Ende ihres Hochschulestudiums genug Kompetenzen und Fähigkeiten mitbringen, anschließend ihre eigenen Umsetzungsstrategien für die Gestaltung von Lern- und Entwicklungsräumen für Kinder zu finden. Wobei auch dieser nächste, selbstständigere Schritt der Anwendung des neuen Wissens durch das Modul noch begeitet wird.

Die Kraft der Erlebnispädagogik liegt darin, durch die methaphorische und vielschichtige Arbeit die Menschen die Sehnsucht nach Entwicklung, Selbsterkenntnis und Gemeinschaftsbildung zu lehren, ähnlich wie es auch Antoine de Saint-Exupéry schon über die Sehnsucht nacht dem Meer gesagt hat:

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupéry
Impressionen

Hier eine kleine Bilderauswahl der erlebnisreichen Tage auf Schloss Hohenfels. Ein Tagungsort, der schon lange in der Tradition der Refompädagogik von Kurt Hahn steht (Begründer der Erlebnispädagogik) und seit 2018 von EOS Erlebnispädagogik erwoben wurde.

Wissenschaftliche Einordnung der Erlebnispädagogik

Was bedeutet eigentlich Erlebnispädagogik genau? Hier der Versuch einer wissenschaftlichen Einordnung und Definition:

„Erlebnispädagogik ist ein handlungs- und erfahrungsorientiertes Erziehungs- und Bildungskonzept. Physisch, psychisch und/oder sozial herausfordernde, nicht alltägliche, erlebnisorientierte und von einem/r Pädagogen/in moderierte und mit den Teilnehmer*innen reflektierte Aktivitäten dienen als Medium zur Förderung ganzheitlicher Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse. Ziel ist es, Menschen in ihrer Persönlichkeitsentfaltung zu unterstützen und zu einer verantwortlichen Gestaltung ihrer Lebenswelt zu befähigen.“

Eisinger, 2016

Erlebnispädagogik hat also das Ziel die persönliche Entwicklungsprozesse anzustoßen, soziales Lernen zu ermöglichen, inklusive Konfliktmanagement und Teambuilding. Dadurch erweitern sich die Handlungsoptionen der Menschen und eine selbstverantwortliche Lebens- und Weltgestaltung der Individuen wird gestärkt.

Merkmale und Prinzipien der Erlebnispädagogik sind dabei: Erlebnischarakter und Handlungsorientierung, ressourcenorientiert, ganzheitlich (Kopf, Herz und Hand), Gruppenorientierung, von Komfort- in Lernzone wachsen (Herausforderungen und Grenzerfahrungen), Freiwillig in Lernerfahrungen und Reflexion sowie Transfer in den Alltag (vgl. Paffrath, 2018, S. 20)

Lernzonenmodell
Erstellt von Carolin Räuber, 2021


Die Erlebnis-Kette:

Erlebniskette aus Teilnehmerperspektive, Abstreiter et al., 2019

Literatur Empfehlungen:

  • Abstreiter, R., Zwerger, R. & Zwerger, R. (2019). Außen handeln – Innen schauen. Systemische Prozessbegleitung in der Erlebnispädagogik (Gelbe Reihe: Praktische Erlebnispädagogik, 2. überarbeitete Auflage). Augsburg: ZieI.
  • Eisinger, T. (2016). Erlebnispädagogik kompakt (Gelbe Reihe, 2. überarbeitete Auflage). Hergensweiler: Ziel-Verlag.
  • Meyer Patjens (2020). Studienbuch Kinder-Und Jugendarbeit – Kap Freizeitpädagogik und Erlebnisoädagogik
  • Paffrath, F. H. (2018). Zu theoretischer Konzeption und interdisziplinärem Kontext der Erlebnispädagogik. In W. Michl & H. Seidel (Hrsg.), Handbuch Erlebnispädagogik (1. Auflage, S. 20–22). München: Ernst Reinhardt Verlag.